Zurück Elisabeth von Thüringen               Fotos Aufführung

Text und Musik: Peter Oberholzer

 

Aufführungen

6. November

Dreifaltigkeitskirche Iddastrasse

St. Gallen

17 Uhr

12. November

Andreaskirche

Gossau

19 Uhr

19. November

Dreifaltigkeitskirche Iddastrasse

St. Gallen

19 Uhr

20. November

Kirche St. Peter

Wil

17 Uhr

 

21. Januar

Kath. Kirche Herisau

 

20 Uhr

22. Januar

Kath. Kirche Appenzell

 

17 Uhr

11. Februar

Kath. Kirche Speicher

 

19 Uhr

12. Februar

Kath. Kirche Bütschwil

 

17 Uhr

 

Mitwirkende 

Esther Brönnimann, Elisabeth

Retus Pfister, Ludwig

Raphael Wullschleger, Vargila

Susanne Bolt, Piano

Regula von Tószeghi, Violine

Ruedi Bischoff, Hackbrett

Annemarie Knechtle, Bass

Maja Bösch-Schildknecht Leitung Projektchor

Projektchor

Daria Oberholzer, Kostüme

Boris Knorpp, Regie

 

 

Eintritt frei, Kollekte

 

 

 

 

Elisabeth von Thüringen (1207 - 1231)

 

Die ungarische Königstochter Elisabeth wurde mit 4 Jahren nach Thüringen gebracht und mit dem künftigen Landgrafen Hermann verlobt. Als dieser stirbt, wird sie seinem Bruder Ludwig versprochen. Mit 21 Jahren heiratet Ludwig die vierzehnjährige Elisabeth. Er führt die gewalttätige und ruhmsüchtige Politik seines Vaters weiter, hebt sich aber vorteilhaft vom Adel seiner Zeit ab: er bleibt Elisabeth treu. Die arrangierte Ehe entwickelt sich zu einer Liebesehe und lässt die machtpolitischen Überlegungen der Eltern hinter sich. Elisabeth zieht Trauerkleider an, wenn Ludwig das Land für einige Zeit verlässt und  bedeckt ihn in aller Öffentlichkeit mit 1000 Küssen, wenn er zurückkehrt.

Elisabeth übernimmt Patenschaften für bedürftige Kinder, webt für die Armen, bekleidet ihre Leichen und nimmt an deren  Begräbnissen teil. Sie pflegt hilflose Wöchnerinnen und tröstet die Aussätzigen. Sie erträgt ohne Abscheu die Ausdünstungen der Siechen, wischt ihnen Speichel ab und säubert sie von der Notdurft. Sie schreckt nicht davor zurück, einen unansehnlichen Aussätzigen im eigenen Ehebett zu pflegen. Ludwig eilt ins Schlafzimmer, um sich von diesem unglaublichen Vorfall zu überzeugen. Dabei werden ihm die inneren Augen geöffnet und er erkennt im Leprosen den gekreuzigten Heiland.

Elisabeth verbindet ihr Mitleid mit einem bemerkenswerten organisatorischen Talent. Während Ludwig in Italien weilt, sättigt sie täglich 900 Hungernde, verteilt fast die ganze Ernte aus der Getreide- und 64'000 Goldstücke aus der Schatzkammer. Die Angst vor der Verschleuderung der Güter fordert die Kritik am Hof heraus, zusätzlich genährt durch das provokative Wegwischen des Standesunterschiedes. Ludwig hingegen billigt bei seiner Rückkehr die Hilfsaktionen Elisabeths.

1227 muss Ludwig am Kreuzzug Friederichs II teilnehmen. Elisabeth ahnt das Schlimmste und reitet, schwanger mit dem dritten Kind, zwei Tage lang mit bis über die Landesgrenze.  Ihre düsteren Ahnungen bestätigen sich: Im Heerlager bricht eine Seuche aus, Ludwig wird dahingerafft.

Elisabeth ist am Hof verloren ohne den Rückhalt Ludwigs. Der gesunde Menschenverstand verlangt gebieterisch, der schrankenlosen Wohltätigkeit Elisabeths ein Ende zu setzen.

Ihr Schwager bietet ihr den Lebensunterhalt an, versagt ihr jedoch, mit den Gütern des Hofs die Armen zu speisen. Elisabeth lehnt das Angebot ab. Sie will nicht von der Nahrung leben, die sich die Grafenfamilie allzu oft durch Plünderung und Erpressung der Armen angeeignet hat. Freiwillig flüchtet sie aus der Wartburg. Die Kinder werden ihr einen Tag später  nachgereicht. Elisabeth bringt sie an verschiedenen Orten unter, um sie dort aufwachsen und ausbilden zu lassen. Der verwitwete Kaiser Friederich hätte sie gerne zur Frau gehabt. Elisabeth gibt ihm einen Korb.

Der Schrein mit Ludwigs Gebeinen wird aus Italien zurück gebracht und im Dom von Bamberg vor einer grossen Menschenmenge geöffnet. Elisabeth küsst die Reliquien und akzeptiert den Willen Gottes. Sie bekommt ihr Frauengut zurück erstattet, baut damit ein Spital und findet Christus in den Armen. Statt der eigenen Kinder nimmt sie sich der Waisen und unheilbar Kranken an. Fröhlich und heiter wie sie gelebt hat, stirbt sie 24jährig. Bei der Überführung ihrer Gebeine setzt Kaiser Friedrich ihr, die er lebendig nicht zu seiner Frau krönen konnte, doch noch die Kaiserkrone auf. Auf ihrem Grab stehen die Worte:

„Der Stolz Deutschlands“. Elisabeth ist auch ein Juwel der ganzen Menschheit.

 

 

 

                       

                       

                        Libretto

                        Kursive Texte sind geschichtlich überliefert

 

                        1. Protest der Hofdamen

                        Das got nöd, mir lönd nöd lugg!

                        D’Elisabeth muess zrugg!

                        Üse Ruef stoht uf em Spiel,

                        das herglaufni Gschöpf isch z’viel.

 

                        Es muess eini si vo do,

                        wo üs öppis bringt,

                        e Grafschaft oder so,

                        eini, wo’s stimmt.

 

                        Eini mit meh Etikette,

                        keini vo de Soziale, Nette!

                        Wo lieber Kranki badet als regiert,

                        das säget mir dir ungeniert.

 

                        Schick sie handli in es Kloster,

                        frag nöd zerscht: „Elisabeth, wie got’s der?“

                        Sie ghört nöd dohi, wo mer repräsentiert,

                        das säged mir dir ungeniert.

 

                        2. Ritter von Vargila spricht mit Ludwig

Vargila            Guete Herr, vor vielne Jahr

                        han’ich d’Elisabeth, do here bracht;

                        zäme mit Gspänli, an Thüringer Hof,

                        e chlini Chrot, so ne liebe Gof.

 

                        Sit Wuche braut sich öppis zäme,

                        wo chum meh öpper cha iidämme.

                        Dame vom Hof lönd nöd lugg,

                        d’ Elisabeth muess zrugg.

 

                        E dütschi Fürstetochter

                        hürote sött Er!

                        Eini zum Arrondiere,

                        Städt und Länder zäme z’füehre.

Ludwig                        Gsend ihr de Hügel det,

                        de Hügel vor dem Ort?

                        Was ich eu säge wett

                        uf Ehrewort:

                        Wär de us Gold,

                        ich wär nöd rich.

                        Ich gäb ihn her,

                        es wär mir glich.

                        D’ Elisabeth isch mine Schatz!

                        Nur sie hät i mim Herz Platz!

 

                        3. Ludwigs Liebeslied

                        Elisabeth, chumm i mini Arme!

                        Ich will di gern ha,

                        heb mit mir Verbarme!

                        Ich will di gspüre,

                        mit dir in Himmel flüüge.

                        Ich will’s betüre

                        und rüef Gott zum Züüge.

 

                        Wie zwei Möve flüget mir am Himmel hi,

                        i glicher Höchi, im gliche Flügelschlag.

                        Bahnet d’Flugbahn, ich für di und du für mi,

                        und lönd üs träge, mir beidi Tag für Tag.

 

                        Üsi Liebi wird s’Füür fum ganze Land,

                        es wärmt die Arme und wird immer strahle.

                        Es bindet üs es unverriissbars Band,

                        das wird üs s’Glück und de Friede wahre.

 

                        4. Elisabeth vor dem Kreuz

                        Gottes Sohn!

                                    Hass hangt a dir, Bosheit fu de Mensche!

                        Gottes Liib

                                    usenand grisse,

                                    gschunde, ghenkt!

                        Verstoches Haupt,

                                    brochni Auge, blaui Lippe

                                    erstarrt im Todesschrei!

                        Gottesknecht

                                    abekämpft, verstickt!

                        Nackte Gott

                                    i zerfetzte Lumpe!

                        Heilig Bluet

                                    de Lohn für d’Schläg

                                    quillt us dine Wunde!

                        Verchrampfti Hand

                                    gnaglet a ne dunkle Himmel!

                        Und zum Lohn

                                    e Dornekron!

 

                        5. Jammer der Hungernden

                        Kei Rege, kei Rege, kei Brot!

                        Kei Rege, kei Rege – morn sind mir tot!

                        Nur Strohhälm, nur Strohhälm, kei Brot!

                        Nur Strohhälm – morn sind mir tot!

 

                        Leeri Teller, leeri Teller, leeri Büch!

                        Leeri Keller, leeri Keller und no d’Süch!

                        Kei Küeh, kei Küeh, kei Milch!

                        Und Kind - wie Silch!

 

                        D’Händler strichet viel Gwünn i,

                        Priese stieget, mir gönd i!

                        Eui Vorrät ghöret üs!

                        Mir händs gschaffet au für üs!

 

                        S’G(e)rippi rittet am Himmel obe hi.

                        Vergebe händ mir bittet, mir gönd i!

                        S’Gras verdorret, mir verdorret mit!

                        Das isch d’Wohrheit, wenn’s nüd z’Esse git!

                        Hunger, Hunger, Hunger, Hunger!

 

                        6. Elisabeths Credo

                        Kind mit grosse Auge,

                        Spinneärmli, Spinnebei,

                        ganz i gfallne Bagge,

                        ohni Brot dehei.

                        D’Auge stechet d’Müttere

                        mit leere Brüst.

                        Was gib ich eu more?

                        Bi nur es Knochegrüst!

 

                        Gott, solang ich helfe cha, solang will ich das tue.

                        Solang nur eis muess hungere, han ich kei Rue.

 

                        Ihr Allerärmste chönd zu mir,           

                        verkaufet mine Schmuck!

                        Verkaufets guet,

                        es hät mengs schös Stuck!

 

                        Für d’Kind, wo nüme laufe chönd:

                        Da glitzeret’s für eu!

                        Da hät’s Perle, Ringli, Tierli, viel Spielsache!

                        Ich will eu gseh lache, ich will eu gseh lache!

 

                        7. Elisabeth verweigert das Essen

Elisabeth         Ihr Fraue säget mir,

                        wer hät üs die Spiese geh?

Frauen                        Soldate händ’s de Bure graubt,

                        sie händ’s nöd selber geh!

Elisabeth         Mit guetem Gwüsse

                        cha so niemer s’Esse zu sich neh!

Frauen                        S’isch all’s abpresst und plünderet,

                        mir händ das selber gseh!

Elisabeth         Mir fehlt d’Lust uf urecht Guet,

                        min Mage kehrt’s vor Wuet!

Frauen                        Unrecht Guet schafft Armuet!

Elisabeth         S’git kei Spies, es git nur Trank

                        mir säget: Gott sei Dank!

 

Elisabeth         Ihr Fraue säget mir,

                        wer hät üs de Wi geh?

Frauen                        Soldate händ’s de Winzer graubt,

                        sie händ’s nöd selber geh!

Elisabeth         Mit guetem Gwüsse

                        cha so niemer es guets Schlückli neh!

Frauen                        S’isch all’s abpresst und plünderet,

                        mir händ das selber gseh!

Elisabeth         Mir fehlt d’Lust uf gstohlne Wi,

                        ich cha nöd fröhlich si!

Frauen                        Gstohlne Wi schläferet s’Gwüsse i!

Elisabeth         S’git kei Wi, mir händ nur Spies,

                        mir säget: Gott sei Dank!

 

                        8. Der Aussätzige im Ehebett

Ludwig                        Alles mit Mass!

                        Was du jetz tuesch, got z’wit!

                        „Wüsset sie, dass

                        ein i ihrem Bett liet?“

                        fraget’s uf em Here-Ritt!

                        Mit Ussatz i mim Bett!

                        Voll Gschwür und Gstank,

                        und nackt und bloss,

                        i mim Bett, uf em Schloss!

                        Es Leuegsicht,

                        wo niemert wett!

                        Elisabeth, du gosch z’witt!

 

Elisabeth         Fürcht dich nöd vor Leprose,

                        schenk kei Almose.

                        Säg ihm es paar liebi Wort,

                        schick ihn jetz nöd fort.

                        Ludwig, min Gemahl,

                        mir händ kei andri Wahl.

                        Er trait s’Chrüz vo Jesus Christ,

                        sini Lag isch trist.

 

Ludwig                        Allmächtige Gott, Er isch es selber!

                        De Heiland am Chrüz!

                        Söttig Gäst, Elisabeth,

                        leg no meh i mis Bett!

                        Pfleg si mit viel Liebi,

                        tröscht si mit dim Wort!

                        Wäsch und pfleg d’Wunde,

                        schaff ne en guete Ort!

 

                        9. Abschied

Elisabeth         De Sege chunnnt mit dir,

                        nimm s’Wallfahrts-Chrüz vo mir.

                        De lieb Gott lueg zu dir

                        und bring dich zrugg zu mir.

 

                        De Struss bin ich,

                        mit mim Haar bunde für dich.

                        Er blüeht nur für dich,

                        denk au a mich.

 

Ludwig                        Min Siegelring

                        macht dich zum Stellvertreter,

                        git Macht zu allne Ding,

                        Ehrfurcht vo de Höfling.

 

                        Ich gib dir en Kuss

                        als Liebesvorschuss,

                        De Abschiedskuss

                        bannt Liebesverdruss.

 

 

                        PAUSE

 

 

                        10. Seligpreisungen (Matthäus 5)

                        Selig sind, die da trauern!

                        Sie werden getröstet werden.

                        Selig sind, die Verfolgung leiden,

                        denn ihnen gehört das Himmelreich.

                        Selig seid ihr, wenn sie euch um meinetwillen

                        verfolgen und verschmähen.

                        Freuet euch und jubelt,

                        denn euer Lohn ist gross im Himmel.

 

                        11. Elisabeths Sehnsucht

                        O mis Wümli, du blibsch bi mir,

                        trinksch vo minre Brust.

                        Doch nur Träne gib ich dir,

                        Träne vum Verlust!

                        Vier Jahr alt bin ich gsi,

                        händ’s mich us Ungarn bracht.

                        E Gfangni bin ich gsi

                        bi fremde Lüt und Macht.

 

                        Ludwig, chumm zu mir,

                        Ludwig, blieb bi mir!

                        Ludwig, mine Ma,

                        ich will dich bi mir ha!

 

                        12. Gelübde

Elisabeth         Nachfolge möchte’ ich Christus.

                        Konrad, gestattet mir de Wunsch!

                        Arm  - wie d’Brüeder vom Franziskus,

                        isch min tüfschte Wunsch.

 

                        De Allerletscht si wie de Jesus,

                        erniedriget wie Gottes Sohn.

                        Kei Bett, kei Geld, kei Hus!

                        Nur Guets tue um Gottes Lohn.

 

                        Verspottet werde wie de Meister,

                        für mi Seel, das wünsch ich mir.

                        Und Arme, Kranke Hilfe leiste,

                        s’Nötigscht bettle vor de Tür.

 

Konrad            Gottes Wille tue isch löblich,

                        aber nöd, Elisabeth, e so!

                        Ihr verletzed Pflichte ströflich,

                        ihr müönd de Wunsch falle loh!

 

                        Als Landesmuetter und als Fürstin

                        bliebet ihr bunde a de Stand;

                        für Dame, nöd für Gass e Gspilin,

                        i noblem Schmuck und Gwand.

 

                        Königsgattin darf nöd bettle,

                        d’Wittwe sühnt für Königsschuld.

                        Ihr lebet für de Bueb und Meitle,

                        gänd eu i Gottes Huld!

 

Elisabeth         Konrad, ihr chönd nöd verbüte,

                        was im Evangelium stoht!

                        Hüt, am Karfritig, schwör ich mis Gelübde

                        am Altar, uf Christi Tod!

 

                        Ich entsage den Eltern, ich entsage den Kindern,

                        ich entsage den Brüdern und Schwestern.

                        Ich entsage allen Annehmlichkeiten der Welt.

                        Ich entsage allem, was mein Erlöser geraten zu entsagen.

                        Ich verlasse alles, was er geraten zu verlassen,

                        - gemäss der Schrift -

                        so wahr mir Gott helfe mit seinen Heiligen,

                        im Namen des Vaters und des Sohnes,

                        und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Konrad            Hohi Frau so schnell abschüttle,

                        chönd ihr d’Welt mit me Glübde nöd!

                        S’Fraueguet – do git’s nüt z’rüttle –

                        deckt Ludwigs Schulde nöd.

 

                        D’Erbasprüch vom Land git’s z’wahre,

                        rat ich als Bistand a!

                        So wird’s nach de Teilig

                        Geld fürs Spital ha.

 

Elisabeth         Denn wird ich Hospitalin

                        Und gib alles us,

                        nimm als Gäst Gottes Armi

                        i mis Hus.

 

                        Lieb Christus i de Kranke,

                        baden, decken zue.

                        Gib ihm Brot, Chäs und Anke,

                        tröschten, lachem zue.

 

 

                        13. Elisabeth im Saustall

                        Hermann, weg dinre Muetter,

                        verstosse us em Schloss!

                        Schlafsch bim Sauefuetter,

                        vertriebe vo dim Tross.

 

                        Sie hoffet fest, du sterbisch

                        a Krankheit oder Süch.

                        Sie zellet druf, du verderbisch,

                        werdisch schwach oder schüch.

 

                        Nachfolger vo dim Vater,

                        de Thron hetsch sölle ha.

                        Doch din Vormund Heinrich Raspe

                        leit selber Krone a.

 

                        14. Berufungsvision

                        Sanctus, sanctus, sanctus ….

 

Stimme           Chuntsch du mit, wohi ich dich au füere?

 

Elisabeth         Ich will mit dir si und nie vo dir trennt werde,

                        Jesus, min süesse Herr!

 

Stimme           Wenn du mit mir si willsch, bi ich mit dir.

 

                        Sanctus, sanctus, sanctus ….

 

                        15. Heiratsantrag des Kaisers

Kaiser             Landgräfin Elisabeth,

                        als Wittwer stand ich da.

                        D’Kindbett isch e Totebett,

                        ich truur wie ihr um eue Ma.

 

                        Elisabeth, mich zerrisst’s!

                        D’Freud isch weg und s’Lebe schwer,

                        ich hadere mit Gott!

                        Ich frag drum, wie das wär,

                        wenn ich eu zur Kaiserin wott?

Elisabeth         Kaiser Friedrich,

                        d’Isabella tuet mir leid.

                        Nur Gott weiss, warum’s so sie muess,

                        i sine Händ isch Troscht für beid.

                        Friedrich, s’Lebe isch schwer,

                        s’Glück chunnt nie zweimol daher!

 

                        En offes Wort, en offne Bscheid,

                        hürate wird ich nie!

                        Ich ha globt Ehelosigkeit

                        und die brech’ ich nie!

 

Kaiser             Ich ha de Ludwig ganz fescht gschätzt,

                        er würdi mich verstoh!

                        Si Ehr wär nöd verletzt,

                        ihr würdet zue mir cho.

 

Elisabeth         Es got um Gott, s’got nöd um ihn!

                        En Eid isch en Eid!

                        Devo abcho, das macht kei Sinn,

                        mir fändet nöd us üsem Leid.

 

                        16. Elisabeths Trostlied

                        Mi liebi Irmengard,

                        die Straf für üs isch hart,

                        doch denk a Jesus Christ,

                        wo gschlage worde ischt.

 

                        „Knecht, warum schlosch du mich?“

                        das hät de Heiland gfragt

                        und nint all Schläg uf sich,

                        obwohl ihn s’Unrecht plagt.

 

                        Mi Liebi, mach’s wies Schilf!

                        Das Gras isch mir e Hilf.

                        Es büügt sich stark im Fluss

                        bi grossem Regeguss.

 

 

                        Schwillt s’Wasser ab, stoht’s uf,

                        erholt sich guet und gschwind,

                        wachst kräftig witer druf

                        und schauklet sich im Wind.

 

                        17. Im Krankenhaus

                        Wasser, so nützlich und frisch,

                        so dienstig, wie du bisch!

                        Umspüel die Wunde und Schwäre,

                        säg ihne, ich ha eu gere.

 

                        Wie händ ihr glitte,

                        ich muess eu küsse!

                        Schmutz und Eiter sind jetz duss,

                        do händ ihr nomal en Kuss!

 

                        Wasser, träg Schmutz und Dregg

                        ohni Wehtue e weg!

                        Schwemm us min Ekel und Stolz,

                        spüehl mis Herz und hol’s!

 

                        Was isch echt do versteckt,

                        was hät das Tuech zuedeggt?

                        Ich ahn’s, ich wott’s wüsse!

 

                        Tschudermaa und Strubelmutz,

                        bruchsch en rechte Früehligsputz!

                        Tschuderi, de Pelz isch mi!

                        Schnipp schnapp,

                        schnipp schnapp

                        Tschuderi, de Pelz isch mi,

                        s’nischtet bald no d’Vögel dri!

 

                        18. Der Kaiser am Totenbett

                        Lisabeth, Elisabeth!

                        Nimm mini Krone,

                        Gott mög’s dir lohne!

                        Lebdig häsch welle furt vo mir

                        tot ghört sie dir.

 

 

29.11.2011  © 2003 All rights reserved by fozzy-design