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Libretto
Kursive Texte sind
geschichtlich überliefert
1. Protest der Hofdamen
Das got nöd, mir lönd nöd
lugg!
D’Elisabeth muess zrugg!
Üse Ruef stoht uf em Spiel,
das herglaufni Gschöpf isch
z’viel.
Es muess eini si vo do,
wo üs öppis bringt,
e Grafschaft oder so,
eini, wo’s stimmt.
Eini mit meh Etikette,
keini vo de Soziale, Nette!
Wo lieber Kranki badet als
regiert,
das säget mir dir ungeniert.
Schick sie handli in es
Kloster,
frag nöd zerscht:
„Elisabeth, wie got’s der?“
Sie ghört nöd dohi, wo mer
repräsentiert,
das säged mir dir ungeniert.
2. Ritter von Vargila
spricht mit Ludwig
Vargila
Guete Herr, vor vielne Jahr
han’ich d’Elisabeth, do here
bracht;
zäme mit Gspänli, an
Thüringer Hof,
e chlini Chrot, so ne liebe
Gof.
Sit Wuche braut sich öppis
zäme,
wo chum meh öpper cha
iidämme.
Dame vom Hof lönd nöd lugg,
d’ Elisabeth muess zrugg.
E dütschi Fürstetochter
hürote sött Er!
Eini zum Arrondiere,
Städt und Länder zäme
z’füehre.
Ludwig
Gsend ihr de Hügel det,
de Hügel vor dem Ort?
Was ich eu säge wett
uf Ehrewort:
Wär de us Gold,
ich wär nöd rich.
Ich gäb ihn her,
es wär mir glich.
D’ Elisabeth isch mine
Schatz!
Nur sie hät i mim Herz
Platz!
3. Ludwigs Liebeslied
Elisabeth, chumm i mini
Arme!
Ich will di gern ha,
heb mit mir Verbarme!
Ich will di gspüre,
mit dir in Himmel flüüge.
Ich will’s betüre
und rüef Gott zum Züüge.
Wie zwei Möve flüget mir am
Himmel hi,
i glicher Höchi, im gliche
Flügelschlag.
Bahnet d’Flugbahn, ich für
di und du für mi,
und lönd üs träge, mir beidi
Tag für Tag.
Üsi Liebi wird s’Füür fum
ganze Land,
es wärmt die Arme und wird
immer strahle.
Es bindet üs es
unverriissbars Band,
das wird üs s’Glück und de
Friede wahre.
4. Elisabeth vor dem Kreuz
Gottes Sohn!
Hass hangt a
dir, Bosheit fu de Mensche!
Gottes Liib
usenand grisse,
gschunde, ghenkt!
Verstoches Haupt,
brochni Auge,
blaui Lippe
erstarrt im
Todesschrei!
Gottesknecht
abekämpft,
verstickt!
Nackte Gott
i zerfetzte
Lumpe!
Heilig Bluet
de Lohn für
d’Schläg
quillt us dine
Wunde!
Verchrampfti Hand
gnaglet a ne
dunkle Himmel!
Und zum Lohn
e Dornekron!
5. Jammer der Hungernden
Kei Rege, kei Rege, kei
Brot!
Kei Rege, kei Rege – morn
sind mir tot!
Nur Strohhälm, nur
Strohhälm, kei Brot!
Nur Strohhälm – morn sind
mir tot!
Leeri Teller, leeri Teller,
leeri Büch!
Leeri Keller, leeri Keller
und no d’Süch!
Kei Küeh, kei Küeh, kei
Milch!
Und Kind - wie Silch!
D’Händler strichet viel
Gwünn i,
Priese stieget, mir gönd i!
Eui Vorrät ghöret üs!
Mir händs gschaffet au für
üs!
S’G(e)rippi rittet am Himmel
obe hi.
Vergebe händ mir bittet, mir
gönd i!
S’Gras verdorret, mir
verdorret mit!
Das isch d’Wohrheit, wenn’s
nüd z’Esse git!
Hunger, Hunger, Hunger,
Hunger!
6. Elisabeths Credo
Kind mit grosse Auge,
Spinneärmli, Spinnebei,
ganz i gfallne Bagge,
ohni Brot dehei.
D’Auge stechet d’Müttere
mit leere Brüst.
Was gib ich eu more?
Bi nur es Knochegrüst!
Gott, solang ich helfe cha,
solang will ich das tue.
Solang nur eis muess
hungere, han ich kei Rue.
Ihr Allerärmste chönd zu
mir,
verkaufet mine Schmuck!
Verkaufets guet,
es hät mengs schös Stuck!
Für d’Kind, wo nüme laufe
chönd:
Da glitzeret’s für eu!
Da hät’s Perle, Ringli,
Tierli, viel Spielsache!
Ich will eu gseh lache, ich
will eu gseh lache!
7. Elisabeth verweigert das
Essen
Elisabeth
Ihr Fraue säget mir,
wer hät üs die Spiese geh?
Frauen
Soldate händ’s de Bure graubt,
sie händ’s nöd selber geh!
Elisabeth
Mit guetem Gwüsse
cha so niemer s’Esse zu sich
neh!
Frauen
S’isch all’s abpresst und plünderet,
mir händ das selber gseh!
Elisabeth
Mir
fehlt d’Lust uf urecht Guet,
min Mage kehrt’s vor Wuet!
Frauen
Unrecht Guet schafft Armuet!
Elisabeth S’git kei Spies, es git nur Trank
mir säget: Gott sei Dank!
Elisabeth
Ihr Fraue säget mir,
wer hät üs de Wi geh?
Frauen
Soldate händ’s de Winzer graubt,
sie händ’s nöd selber geh!
Elisabeth
Mit guetem Gwüsse
cha so niemer es guets
Schlückli neh!
Frauen
S’isch all’s abpresst und plünderet,
mir händ das selber gseh!
Elisabeth
Mir
fehlt d’Lust uf gstohlne Wi,
ich cha nöd fröhlich si!
Frauen
Gstohlne Wi schläferet s’Gwüsse i!
Elisabeth S’git kei Wi, mir händ nur Spies,
mir säget: Gott sei Dank!
8. Der Aussätzige im Ehebett
Ludwig
Alles mit Mass!
Was du jetz tuesch, got
z’wit!
„Wüsset sie, dass
ein i ihrem Bett liet?“
fraget’s uf em Here-Ritt!
Mit Ussatz i mim Bett!
Voll Gschwür und Gstank,
und nackt und bloss,
i mim Bett, uf em Schloss!
Es Leuegsicht,
wo niemert wett!
Elisabeth, du gosch z’witt!
Elisabeth
Fürcht dich nöd vor Leprose,
schenk kei Almose.
Säg ihm es paar liebi Wort,
schick ihn jetz nöd fort.
Ludwig, min Gemahl,
mir händ kei andri Wahl.
Er trait s’Chrüz vo Jesus
Christ,
sini Lag isch trist.
Ludwig
Allmächtige Gott, Er isch es selber!
De Heiland am Chrüz!
Söttig Gäst, Elisabeth,
leg no meh i mis Bett!
Pfleg si mit viel Liebi,
tröscht si mit dim Wort!
Wäsch und pfleg d’Wunde,
schaff ne en guete Ort!
9. Abschied
Elisabeth
De
Sege chunnnt mit dir,
nimm s’Wallfahrts-Chrüz vo
mir.
De lieb Gott lueg zu dir
und bring dich zrugg zu mir.
De Struss bin ich,
mit mim Haar bunde für dich.
Er blüeht nur für dich,
denk au a mich.
Ludwig
Min Siegelring
macht dich zum
Stellvertreter,
git Macht zu allne Ding,
Ehrfurcht vo de Höfling.
Ich gib dir en Kuss
als Liebesvorschuss,
De Abschiedskuss
bannt Liebesverdruss.
PAUSE
10. Seligpreisungen
(Matthäus 5)
Selig sind, die da trauern!
Sie werden getröstet werden.
Selig sind, die Verfolgung
leiden,
denn ihnen gehört das
Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn sie
euch um meinetwillen
verfolgen und verschmähen.
Freuet euch und jubelt,
denn euer Lohn ist gross im
Himmel.
11. Elisabeths Sehnsucht
O mis Wümli, du blibsch bi
mir,
trinksch vo minre Brust.
Doch nur Träne gib ich dir,
Träne vum Verlust!
Vier Jahr alt bin ich gsi,
händ’s mich us Ungarn
bracht.
E Gfangni bin ich gsi
bi fremde Lüt und Macht.
Ludwig, chumm zu mir,
Ludwig, blieb bi mir!
Ludwig, mine Ma,
ich will dich bi mir ha!
12. Gelübde
Elisabeth
Nachfolge möchte’ ich Christus.
Konrad, gestattet mir de
Wunsch!
Arm - wie d’Brüeder vom
Franziskus,
isch min tüfschte Wunsch.
De Allerletscht si wie de
Jesus,
erniedriget wie Gottes Sohn.
Kei Bett, kei Geld, kei Hus!
Nur Guets tue um Gottes
Lohn.
Verspottet werde wie de
Meister,
für mi Seel, das wünsch ich
mir.
Und Arme, Kranke Hilfe
leiste,
s’Nötigscht bettle vor de
Tür.
Konrad
Gottes Wille tue isch löblich,
aber nöd, Elisabeth, e so!
Ihr verletzed Pflichte
ströflich,
ihr müönd de Wunsch falle
loh!
Als Landesmuetter und als
Fürstin
bliebet ihr bunde a de
Stand;
für Dame, nöd für Gass e
Gspilin,
i noblem Schmuck und Gwand.
Königsgattin darf nöd
bettle,
d’Wittwe sühnt für
Königsschuld.
Ihr lebet für de Bueb und
Meitle,
gänd eu i Gottes Huld!
Elisabeth
Konrad, ihr chönd nöd verbüte,
was im Evangelium stoht!
Hüt, am Karfritig, schwör
ich mis Gelübde
am Altar, uf Christi Tod!
Ich entsage den Eltern,
ich entsage den Kindern,
ich entsage den Brüdern und
Schwestern.
Ich entsage allen
Annehmlichkeiten der Welt.
Ich entsage allem, was mein
Erlöser geraten zu entsagen.
Ich verlasse alles, was er
geraten zu verlassen,
- gemäss der Schrift -
so wahr mir Gott helfe mit
seinen Heiligen,
im Namen des Vaters und des
Sohnes,
und des Heiligen Geistes.
Amen.
Konrad
Hohi Frau so schnell abschüttle,
chönd ihr d’Welt mit me
Glübde nöd!
S’Fraueguet – do git’s nüt
z’rüttle –
deckt Ludwigs Schulde nöd.
D’Erbasprüch vom Land git’s
z’wahre,
rat ich als Bistand a!
So wird’s nach de Teilig
Geld fürs Spital ha.
Elisabeth
Denn wird ich Hospitalin
Und gib alles us,
nimm als Gäst Gottes Armi
i mis Hus.
Lieb Christus i de Kranke,
baden, decken zue.
Gib ihm Brot, Chäs und Anke,
tröschten, lachem zue.
13. Elisabeth im Saustall
Hermann, weg dinre Muetter,
verstosse us em Schloss!
Schlafsch bim Sauefuetter,
vertriebe vo dim Tross.
Sie hoffet fest, du
sterbisch
a Krankheit oder Süch.
Sie zellet druf, du
verderbisch,
werdisch schwach oder schüch.
Nachfolger vo dim Vater,
de Thron hetsch sölle ha.
Doch din Vormund Heinrich
Raspe
leit selber Krone a.
14. Berufungsvision
Sanctus, sanctus, sanctus ….
Stimme
Chuntsch du mit, wohi ich dich au füere?
Elisabeth
Ich
will mit dir si und nie vo dir trennt werde,
Jesus, min süesse Herr!
Stimme
Wenn du mit mir si willsch, bi ich mit dir.
Sanctus, sanctus, sanctus ….
15. Heiratsantrag des
Kaisers
Kaiser
Landgräfin Elisabeth,
als Wittwer stand ich da.
D’Kindbett isch e Totebett,
ich truur wie ihr um eue Ma.
Elisabeth, mich zerrisst’s!
D’Freud isch weg und s’Lebe
schwer,
ich hadere mit Gott!
Ich frag drum, wie das wär,
wenn ich eu zur Kaiserin
wott?
Elisabeth
Kaiser Friedrich,
d’Isabella tuet mir leid.
Nur Gott weiss, warum’s so
sie muess,
i sine Händ isch Troscht für
beid.
Friedrich, s’Lebe isch
schwer,
s’Glück chunnt nie zweimol
daher!
En offes Wort, en offne
Bscheid,
hürate wird ich nie!
Ich ha globt Ehelosigkeit
und die brech’ ich nie!
Kaiser
Ich
ha de Ludwig ganz fescht gschätzt,
er würdi mich verstoh!
Si Ehr wär nöd verletzt,
ihr würdet zue mir cho.
Elisabeth
Es
got um Gott, s’got nöd um ihn!
En Eid isch en Eid!
Devo abcho, das macht kei
Sinn,
mir fändet nöd us üsem Leid.
16. Elisabeths Trostlied
Mi liebi Irmengard,
die Straf für üs isch hart,
doch denk a Jesus Christ,
wo gschlage worde ischt.
„Knecht, warum schlosch du
mich?“
das hät de Heiland gfragt
und nint all Schläg uf sich,
obwohl ihn s’Unrecht plagt.
Mi Liebi, mach’s wies
Schilf!
Das Gras isch mir e Hilf.
Es büügt sich stark im Fluss
bi grossem Regeguss.
Schwillt s’Wasser ab,
stoht’s uf,
erholt sich guet und
gschwind,
wachst kräftig witer druf
und schauklet sich im Wind.
17. Im Krankenhaus
Wasser, so nützlich und
frisch,
so dienstig, wie du bisch!
Umspüel die Wunde und
Schwäre,
säg ihne, ich ha eu gere.
Wie händ ihr glitte,
ich muess eu küsse!
Schmutz und Eiter sind jetz
duss,
do händ ihr nomal en Kuss!
Wasser, träg Schmutz und
Dregg
ohni Wehtue e weg!
Schwemm us min Ekel und
Stolz,
spüehl mis Herz und hol’s!
Was isch echt do versteckt,
was hät das Tuech zuedeggt?
Ich ahn’s, ich wott’s wüsse!
Tschudermaa und Strubelmutz,
bruchsch en rechte
Früehligsputz!
Tschuderi, de Pelz isch mi!
Schnipp schnapp,
schnipp schnapp
Tschuderi, de Pelz isch mi,
s’nischtet bald no d’Vögel
dri!
18. Der Kaiser am Totenbett
Lisabeth, Elisabeth!
Nimm mini Krone,
Gott mög’s dir lohne!
Lebdig häsch welle furt vo
mir
tot ghört sie dir.
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